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Ciudad Real, 09-11 de Mayo de 2017

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NOTAS DE PRENSA

Robin Goldstein hinterfragt die Bewertungen großer Wein-Gurus

Der unkonventionelle Blogger aus den USA erklärt auf der FENAVIN, warum er einfache und preisgünstige Weine gegenüber teuren Weinen mit großem Namen, hohem Preis und den besten Bewertungen in bekannten Weinführern bevorzugt. Diese Ansicht vertritt er auch auf seiner Internetseite The Wine Trials.

07.05.2011 | 

Der US-amerikanische Blogger Robin Goldstein wirft auf der FENAVIN einen kritischen Blick auf die Weinführer und Bewertungen der internationalen Wein-Gurus. Die Meinung dieser Weinkritiker und Kenner sei oft ausschlaggebend für den Preis eines Weines weltweit, erklärt der Blogger im folgenden Interview.

Auf seiner Internetseite The Wine Trials spricht er sich für die D0ppelblindverkostung aus. Nur so könnten ehrliche Bewertungen garantiert werden, da man bei der Verkostung eines Weines auch immer im Kopf habe, was man bereits über den Wein weiß, erklärt der Weinkritiker.

Bei seinem Vortrag um 12.00 Uhr am 10. Mai spricht Goldstein über den Genuss von Wein, unabhängig von Preis oder Etikett. Der Blogger hat in Harvard Neurologie studiert und besitzt einen Abschluss in Jura von der Universität Yale.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die sie in den letzten Jahren während ihrer Arbeit für The Wine Trials gewonnen haben?

Ich habe sehr viel gelernt, da The Wine Trials von ihrer ersten bis zur dritten Ausgabe - Wine Trials 2011 - immer wieder aktualisiert wurden. Was sich in dieser Zeit stark verändert hat, ist die Einstellung der Weinkunden. Durch die Wirtschaftskrise werden die absurd hohen Preise auf dem Weinmarkt in Frage gestellt. Die Leute wollen mehr für ihr Geld, und Weinkunden haben durch Blindverkostungen und Projekte wie unsere Internetseite bemerkt, dass die billigen Weine ihnen oft genauso gut schmecken, wie die teuersten. Infolgedessen ist die Nachfrage nach Weinen, die 25 Dollar, 30 Dollar oder mehr kosten drastisch gesunken.

Luxusmarken können sich heute nur noch auf dem Markt halten, weil teure Weine in aufstrebenden Ländern wie China sehr gefragt sind. In diesen Ländern, die keine lange Erfahrung mit Wein haben, neigen die Neureichen dazu, sich nach den Empfehlungen der "Experten" zu richten. Leider tragen sie so dazu bei, dass der fest verankerte Mythos, guter Wein müsse hunderte von Dollars pro Flasche kosten, weiter bestehen bleibt. Aber zum Glück wird dieser Mythos in anderen Teilen der Welt immer stärker hinterfragt. Selbst Weinkunden in den USA werden diesem Snobismus gegenüber immer skeptischer, auch wenn sie nicht so eine lange Erfahrung mit dem Getränk haben wie die Europäer.

In The Wine Trials 2011 hatten wir einige Weine unter 15 Dollar von bemerkenswerter Qualität in unserer Bewertung. Das ist interessant, weil es zeigt, dass die Weinerzeuger auf die Veränderungen des Marktes reagieren und bessere Weine in dieser Preisklasse anbieten. In einigen Fällen wurde der Preis sogar einfach nur gesenkt, um in dieser Preisklasse mitspielen zu können. Von diesen Entwicklungen profitieren Weinliebhaber auf der ganzen Welt.

Gibt es eine echte Konfrontation zwischen Robert Parker und dem Team von The Wine Trials? Könnte es sein, dass Parkers Buch mit Empfehlungen für Weine unter 15 Dollar von Ihrer Arbeit der letzten Jahre inspiriert wurde?

Ich weiß nicht, ob Parker und sein Team ihren neuen Weinführer für Weine unter 15 Dollar wegen des Erfolgs von The Wine Trials herausgebracht haben, oder ob es eine Reaktion auf die gestiegene Nachfrage nach günstigem Wein ist. Jedenfalls gibt es große Unterschiede zwischen seiner und meiner Einstellung. Der größte Unterschied ist, dass Parker vor allem schwere Weine mit hohem Alkoholgehalt bespricht.

Gleichzeitig ignoriert er alle Weine in der Preisklasse unter 15 Dollar, wie zum Beispiel den Rosé aus der Provence oder den spanischen Cava. Dabei sind das die Marktsegmente für günstigen Wein mit dem größten Wachstum. Aber Parker und seine Kollegen, wie der unglaublich blasierte David Schildknecht, finden, dass es unter ihrer Würde ist, solche Weine in ihrem Weinführer auch nur zu erwähnen. Als ich neulich Parkers Buch für The Journal of Wine Economics rezensiert habe, habe ich folgendes geschrieben:

"Der Rosé aus der Provence wird von Schildknecht als ein ‚Ozean aus billigem Roséwein' abgetan, den es vor allem wegen der ‚unkritischen Provencetouristen' gibt (obwohl Schildknecht den Einheimischen dafür auch eine gewisse Schuld zuschiebt). Nur die Roséweine der gehobenen Kategorie bezeichnet er als ‚interessant'. Wie ignorant diese Touristen doch sind, die die Wellen betrachten und die erfrischenden Weine der Region zu gegrilltem Fisch und Meeresfrüchten genießen, anstatt sich darüber zu echauffieren, wie uninteressant der Rosé doch ist!"

Meine Kollegen bei The Wine Trial und ich haben eine ganz andere Herangehensweise. Wir betonen immer wieder, dass der Preis kein Merkmal für schlechte Qualität ist. Vielmehr sollten sich eigentlich alle Weine ganz selbstverständlich auf diesem Preisniveau bewegen.

Wie groß ist der Einfluss der Wein-Gurus auf die Entscheidungen der Weinkunden?

Die Wein-Gurus haben immer noch einen großen Einfluss auf die Kunden von teurem Wein. Aber ich glaube, dass die Konsumenten von einfacheren Weinen sich immer weniger nach den Beurteilungen dieser Kritiker richten. Das ist nicht nur auf die wachsende Skepsis gegenüber überteuerten Weinen zurückzuführen, die ich bereits angesprochen habe. Auch das Internet mit seiner Vielzahl von Weinforen und Möglichkeiten für den Meinungsaustausch, spielt hier eine wichtige Rolle.

Natürlich ist das Internet auch mit Vorsicht zu genießen: Nicht alle Wein-Blogger kennen sich auch wirklich mit Wein aus, und es gibt jede Menge verdrehter Ratgeber, die als Marionette irgendwelcher PR-Agenturen, alles schreiben nur, um den Wein gratis zu bekommen. Aber viele der großen unabhängigen Wein-Autoren gewinnen immer mehr an Gewicht. Sie haben ihre eigenen Blogs, Videos oder hinterlassen ihre Kommentare auf anderen Weinseiten. Sie sind der Gegenpol zu den Wein-Gurus, die teuren Wein überbewerten und nur ihren Status Quo erhalten wollen.

Durch diese Vielfalt an Meinungen wissen die Kunden heute, dass die berühmten Weinkritiker nicht das Geschmacksmonopol innehaben.

Wie wird der spanische Wein in den USA wahrgenommen?

Ich bin ein großer Fan von traditionellen Terroir-Weinen, wie sie in Rioja und anderen Regionen hergestellt werden und die nicht Parkers Vorstellung davon, wie ein guter Wein sein sollte, unterliegen. Ich suche Weine von Erzeugern, wie López de Heredia, Cune oder Marqués de Murrieta, deren Land, Blumen und nostalgischer Stil den Wein prägt. Die Preise sind vernünftig im Vergleich zu anderen traditionellen Weinbauregionen aus der alten Welt, wie etwa Burgund.

Und was ich am meisten an La Rioja bewundere ist, dass die Weine erst dann herausgegeben werden, nachdem sie mehrere Jahre in der Flasche gereift sind. Ich finde es toll, dass Spanien dem Druck widersteht, Wein bereits dann auf den Markt zu bringen, wenn er noch zu jung zum Trinken ist. Man kann schließlich nicht erwarten, dass jeder Weintrinker oder jedes Restaurant seinen eigenen Weinkeller hat - und dazu die Geduld jahrelang zu warten, bis sie den Wein trinken können.

Glauben Sie, dass sich spanischer Wein in den USA besser verkaufen würde, wenn er sich mit dem Etikett Wein aus Spanien präsentiert, oder ist es besser die verschiedenen Herkunftsbezeichnungen zu betonen?

Ich finde, jeden Wein aus Spanien mit demselben Etikett zu verkaufen, ist eine schreckliche Idee. Es würde nicht nur die Kunden in den USA (und auch in allen anderen Ländern) verwirren, es wäre auch eine Beleidigung für die Vielfalt, das Erbe und die Tradition spanischer Weine.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich arbeite zurzeit an einem sehr interessanten Projekt, in dem ich meine akademische mit meiner anderen Arbeit verbinden kann, und von dem ich glaube, dass es direkten Einfluss auf die Welt des Weines und der Lebensmittel haben wird. Ich habe gerade den Grundstein für den Aufbau des Zentrums für Sinneswahrnehmung im Culinary Institute of America in Napa Valley, Kalifornien, gelegt. Das Projekt wird unterstützt von der Stanford Business School, INSEAD aus Frankreich und bedeutenden Forschern im Bereich der Neurowissenschaft, sensorischen Wissenschaft und der Verhaltensökonomik. Wir wollen anhand von Experimenten mehr darüber lernen, wie unsere Intuition und Wahrnehmung durch äußere Einflüsse verzerrt und beeinflusst werden.

Warum schmeckt uns zum Beispiel ein Wein besser, wenn wir glauben, er sei teuer, als wenn wir gesagt bekommen, er sei billig? Oder warum schmeckt ein Essen besser, wenn wir wissen, dass es von einem berühmten Koch zubereitet wurde? Es geht hier um mehr, als einfachen Snobismus, es ist ein sehr menschliches Problem, das uns alle betrifft. Diese Phänomene werden traditionell als "Placeboeffekte" abgetan. Für mich ist es ein spannendes Projekt zu beweisen, dass sie auch mit dem zusammenhängen, was uns zu Menschen macht. Wir alle sollten uns unserer Beeinflussbarkeit mehr bewusst sein. Außerdem wollen wir einen Weg suchen, wie wir uns von dieser Macht in unserem Gehirn befreien können, damit wir wunderbare Sinneseindrücke genießen können, ohne dass von äußeren Eindrücken gelenkt zu werden.

Was denken Sie über die FENAVIN

Um es mit einem Wort zu sagen: überwältigend. Das letzte Mal habe ich die Messe 2009 besucht und hatte die Ehre, Santi Santamaría kennen zu lernen, eine der letzten polemischen Stimmen in der kulinarischen Welt. Ich hatte großes Glück ihn vor seinem frühen Tod kennen zu lernen, der ein schwarzer Tag für die gesamte Gastronomie war. Was die Messe zu einem besonderen Ereignis macht, ist, dass sie nicht nur Experten aus der Weinindustrie einlädt, sondern auch Intellektuelle aus verschiedene Arbeitsfeldern der ganzen Welt.

2009 war ich so überfordert mit der Vielzahl von Weinen, die man hier verkosten kann, dass ich mich auf die Regionen konzentriert habe, mit denen ich mich schon auskannte, wie die Kanarischen Inseln und Castilla-La Mancha. Aber ich weiß, dass ich gerade mal an der Oberfläche gekratzt habe. Ich will dieses Jahr meinen Horizont noch erweitern und möchte auch andere spanische Regionen kennen lernen - ich hoffe nur, dass ich dabei nicht zu betrunken werde. Es ist eine große Ehre, dass ich wieder eingeladen wurde.

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